Beispiele guter Praxis – Arbeitsumgebung

Arbeitsumgebung:  Seit dem Inkrafttreten des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes im Jahr 1994 haben Unternehmen viele Maßnahmen zur Verbesserung der physikalischen Arbeitsbedingungen unternommen. Nachdem die ASchG Novelle 2013 den ganzheitlichen Gesundheitsschutz (physische und psychische Faktoren sind als Einheit im Sinne der WHO Gesundheitsdefinition zu verstehen) in den Mittelpunkt gestellt hat, dachten viele Unternehmen, dass zumindest die Evaluierung der Umgebungsbedingungen gute Ergebnisse erzielen sollte. In vielen Fällen wurde jedoch evident, dass gerade in der Bürosituation die Umgebungsbedingungen trotz ergonomischer Gestaltung kritisch bewertet wurden. Da LRC häufig das Verfahren IMPULS Test|2 ® Professional verwendet hat, wurde bei den  inhaltlichen Kommentaren sichtbar, dass unter „Umgebungsbedingungen“  sehr häufig der Themenkomplex „Arbeitsatmosphäre“  mit verstanden wird. Wir zeigen Ihnen am Beispiel eines Gruppenbüros von 15 Personen, dass Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit moderner Büroraumkonzepte kein Widerspruch sein müssen….

Die österreichische Niederlassung eines internationalen Konzerns hatte die Vorgabe das Raum-konzept auf ein „open space“ Konzept umzustellen. MitarbeiterInnen und Betriebsrat standen dieser Idee von Anfang an mit Skepsis gegenüber und haben Arbeits- und OrganisationspsychologInnen bereits in den Planungsprozess miteinbezogen. Dadurch wurden die MitarbeiterInnen von Beginn an konsequent in die Planung involviert.
Der Gedanke wurde umgesetzt, dass der Büroraum die Organisationsstruktur abbilden und die Arbeitsabläufe unterstützen soll. Die MitarbeiterInnen mussten deshalb grundsätzlich die Bedeutung von Teamarbeit mittragen. Der Kommunikation der Sinnhaftigkeit des Projekts wurde deshalb von Anfang an zentrale Bedeutung beigemessen, d.h. zu vermitteln, dass es nicht nur um wirtschaftliches Einsparungspotenzial, sondern auch um Organisationsentwicklung geht. Das Büroraumkonzept musste folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Voraussetzungen für eine optimale Aktiviertheit schafften(Balance zwischen anregender und entspannender Arbeitsumwelt),
  • den Tätigkeitsspielraum der MitarbeiterInnen erweitern,
  • Freiräume für eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Arbeiten eröffnen und
  • teamorientiertes, kooperatives, sowie transparentes und selbstbewusstes Arbeiten fördern.

Um diese Inhalte an die MitarbeiterInnen zu kommunizieren, wurden entlang der bestehenden Teams Workshops abgehalten, in denen deren Bedürfnisse für eine qualitativ gute Arbeit erhoben wurden. Neben der Entwicklung der Raumkonzeption erhielt die Organisation viele Einblicke in das Optimierungspotential der bestehenden Organisation, die dann auf Geschäftsführungsebene bewertet und entsprechend umgesetzt wurden – ein Nebeneffekt, der bereits einen Teil der Planungskosten tatsächlich „einspielen“ konnte.

Die Projektgruppe bestand aus einem interdisziplinären Team (ArchitektIn, ArbeitsmedizinerIn, SicherheitstechnikerIn, PersonalistIn, ArbeitspsychologIn, MitarbeiterInnernvertretung). Die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Berufsgruppen trugen ganz wesentlich zum Erfolg dieses Projekts bei, da über die Auseinandersetzung ein grundlegendes Verstehen der verschiedenen Aspekte eines Arbeitsprozesses möglich wurde in dessen Zentrum der in der Umgebung tätige Mensch stand.

Die MitarbeiterInnen wurden bei  atmosphärischen Aspekten wie Farbauswahl, Gestaltung der Sozial- und Kommunikationsräume intensiv einbezogen und wurden über diesen Prozess selbst ExpertInnen, die die Konzeption mit Begeisterung weiter getragen haben.

In der Implementierungsphase wurden Coachinggruppen installiert, durch die auch Verhaltens-änderungen (z.B. Telefonate mit Konferenzschaltung nur im „silent room“, sich gegenseitig wertschätzend auf „Unhöflichkeiten“ aufmerksam machen u.s.f.) eingetreten sind, die sich auch konstruktiv auf das Teamklima ausgewirkt haben.
Insgesamt betrachtet hat sich die Mühe dieses Projektes gelohnt – wirtschaftlich und sozial!

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